Wohnen

Der Hagen-Pakt 2026 bis 2035: Beseitigung von Wohnungsüberhängen und Problemimmobilien, Aufbau eines Europacenters – mit AHA-Effekt

20.05.2026

Ministerin Ina Scharrenbach: Neuer Schulterschluss des Landes Nordrhein-Westfalen mit der Stadt Hagen schafft verlässliche Perspektiven

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung teilt mit:

Am 18. November 2025 vereinbarten Ministerin Ina Scharrenbach und der Oberbürgermeister der Stadt Hagen, Dennis Rehbein, die Entwicklung eines „Hagen-Paktes“: Die Stadt Hagen ist mit einem stadtentwicklungspolitischen – und in der Folge: wohnungswirtschaftlichen – Strukturwandel konfrontiert, der nur in einem Schulterschluss zwischen Stadt und Land aufgelöst werden kann. 

Am Mittwoch, 20. Mai 2026, unterzeichneten Ministerin Ina Scharrenbach, Oberbürgermeister Dennis Rehbein, Vertretungen der Arbeitsgemeinschaft der Hagener Wohnungsunternehmen und der Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH den „Hagen-Pakt 2026 bis 2035“.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung: „Der ‚Hagen-Pakt 2026 bis 2035‘ schafft Perspektiven und ermöglicht neue Wege, wo ausgetretene Pfade nicht mehr zum Ziel führen. Es geht um die Bereinigung des Wohnungsmarktes als auch um die Beseitigung von Problemimmobilien. Erstmals werden wir im ‚Hagen-Pakt‘ gezielt die Möglichkeiten der städtebaulichen Kriminalprävention durch die Entwicklung eines integrierten Sicherheitskonzeptes initiieren und damit Erfahrungen für andere Städte sammeln. Der Aufbau eines Europacenters wird dazu beitragen, Zuwanderer aus europäischen Mitgliedstaaten in Arbeit zu bringen. Und: Mit ‚Art Hagen Action‘ wollen wir für Hagen einen echten AHA-Effekt erzeugen: Art Hagen Action soll die Stadtbilder positiv verändern und für mehr als ein Projekt stehen: Für einen Aufbruch.“

Dennis Rehbein, Oberbürgermeister der Stadt Hagen: „Der Hagen-Pakt ist ein gemeinsames Zukunftsversprechen für unsere Stadt. Wir packen den Hagener Wohnungsmarkt an, verbinden die Themen Sicherheit, Stadtumbau und Quartiersaufwertung und führen Hagen raus aus der gefühlten Abwärtsspirale hin zu einer lebenswerten, sozial stabilen und zukunftsfähigen Stadt, die wir stolz unser Zuhause nennen können. Ich danke Ministerin Ina Scharrenbach und dem gesamten Ministerium für die gute Zusammenarbeit, die verfahrenstechnische sowie finanzielle Unterstützung und freue mich darauf, den Hagen-Pakt gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen in die Umsetzung zu bringen.“

Christoph Rehrmann, Geschäftsführender Vorstand der Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Hagen e.G., stellvertretend für die weiteren Unterzeichner des Hagen-Pakts: „Der ‚Hagen-Pakt‘ ist eine einzigartige Chance für die Wohnungswirtschaft in Hagen, die Wohnqualität in teilweise schwierigen Stadtteilen zu verbessern, um sie so wieder attraktiv für breite, aber gerade auch zahlungsfähige, Bevölkerungsschichten zu machen. Diese Unterstützung wird daher zur Stabilisierung der Mieten führen und so wieder die Investitionen auf dem Wohnungsmarkt in diesen Stadtteilen rentierlich machen, was zur Beseitigung von Problemimmobilien und Schaffung von qualitativ gutem Wohnraum führen wird.“

Ausgangslage für den Hagen-Pakt 2026 bis 2035:

Bereits 2016 führte die damalige Wohnungsmarktstudie für Hagen aus: „Seit 2013 ist Hagen jedoch bei der Bevölkerungsentwicklung wieder auf einen Wachstumspfad zurückgekehrt, der wie auch in etlichen anderen Städten komplett auf die Auslandszuwanderung zurückzuführen ist. Die Auslandszuwanderung der letzten Jahre stellt für den städtischen Wohnungsmarkt sowohl eine Chance wie auch eine Herausforderung dar. Zum einen hilft sie, die hohen Leerstände im Stadtgebiet zu verringern, andererseits führt sie aber auch zu einer zusätzlichen Belastung der stark von der Auslandszuwanderung betroffenen Wohnbezirke.“

In der Folge aus Schlichtwohnungsbeständen der Nachkriegszeit von minderer Qualität, Zustand und Ausstattung und der Bevölkerungsabnahme ist ein struktureller Wohnungsüberhang von rund 3.200 Wohneinheiten im Stadtgebiet entstanden. Die minderen Standards sind im Stadtbild erkennbar, wirken weit in die Nachbarschaft bzw. die Wohnviertel hinein und beeinträchtigen in Teilen Image, Wohnqualität und Werthaltigkeit ganzer Straßenzüge. Die geringen Mieten machen Wohnungsbau- bzw. Wohnungssanierungsinvestitionen unattraktiv bei gleichzeitig hohem Erneuerungsbedarf. Daraus resultieren unter anderem besonders viele Problemimmobilien und Wohnungen mit unterdurchschnittlicher Wohnqualität und geringen Mietpreisen. Durch den Mangel an qualitativ hochwertigem Wohnraum – in Verbindung mit einer Armutszuwanderung in minderwertige Wohngebäude – hat Hagen ein Binnen- oder Abwanderungsproblem von ökonomisch gut aufgestellten Haushalten. Für sie fehlen attraktive Wohnangebote und Anreize, in Hagen wohnen zu bleiben bzw. in die Stadt zu ziehen.

Der Hagen-Pakt 2026 bis 2035: Die Elemente

a) Wohnungsmarkt bereinigen, Problemimmobilien beseitigen

Die Stadt Hagen hält eine Marktbereinigung durch einen Rückbau von Wohnungen zur Reduzierung des auf derzeit 3.200 Wohneinheiten geschätzten Wohnungsüberhangs für nötig. Im Stadtgebiet wurden davon rund 350 als sogenannte „Problemimmobilien“ identifiziert. Ziel ist es, in den nächsten 10 Jahren 600 Wohneinheiten zurückzubauen, 1.000 Wohneinheiten zu modernisieren und eine Anpassung der städtischen Infrastrukturen vorzunehmen. Die Stadt Hagen hat nach einer gesamtstädtischen Betrachtungsanalyse den Fokusraum „Altenhagen – Eckesey – Bahnhofsquartier – Wehringhausen – Haspe“ identifiziert: Dieser Raum zeichnet sich durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an erwerbslosen und damit auf Leistungen nach dem SGB II angewiesenen Personen aus. Zugleich sind zunehmend Binnen- oder Abwanderungstendenzen von ökonomisch besser gestellten Haushalten zu beobachten. In dem stadtseitig identifizierten Fokusraum befinden sich 231 von rund 350 als „Problemimmobilie“ eingestufte Gebäude – mithin 66 Prozent.

b) Erarbeitung einer städtebaulich integrierten Sicherheitskonzeption

Mit dem „Hagen-Pakt“ soll beispielhaft die Möglichkeit erprobt werden, in Zusammenhang mit einem Stadtumbau zugleich die Sicherheitsarchitektur der Stadt neu auszurichten. Ein erster Schritt besteht darin, alle Partnerinnen und Partner, die Aufgaben im Bereich der Sicherheit wahrnehmen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Hagener Stadtgesellschaft an einen Tisch zu holen. Ein weiterer Schritt kann darin bestehen, für Hagen (und speziell für den identifizierten Fokusraum) eine detaillierte Sicherheitsanalyse auf den Weg zu bringen. Da der Bahnhof und sein Umfeld von Bürgerinnen und Bürgern als unsicherer Ort wahrgenommen werden, ist es zudem bedeutsam, mindestens die Deutsche Bahn in die Erarbeitung einer städtebaulich-integrierten Sicherheitskonzeption einzubeziehen.

c) Aufbau eines Europacenters

Die Stadt Hagen beabsichtigt, die Einrichtung eines „Europacenters“, mit dessen Hilfe Menschen aus der Europäischen Union, die neu nach Hagen ziehen, unterstützt und begleitet werden. In einer Erstberatung sollen Zugewanderte aus europäischen Mitgliedstaaten rechtliche Informationen, praktische Unterstützung und Hilfe beim Einstieg in den Arbeitsmarkt bekommen. Ziel ist eine dauerhafte berufliche Eingliederung, die als Grundlage für eine langfristige soziale und wirtschaftliche Integration dient. 

d) Der AHA-Effekt – Art Hagen Action

Ein weiterer Baustein des Hagen-Pakts ist der geplante AHA!-Effekt: Art Hagen Action. Manche Orte tragen mehr Geschichte in sich, als man auf den ersten Blick sieht. Jedes Stadtviertel hat eine Stimme – jetzt ist der Zeitpunkt, um sie hör- und sichtbar zu machen. Kunst hat die Kraft, Räume zu verwandeln und Perspektiven zu öffnen. Aus Ideen können Bilder, aus Bildern kann Identität werden. Genau hier kann der „AHA!“-Effekt ansetzen: Ministerium und Stadt prüfen die Umsetzung einer „Art Hagen Action“. Art Hagen Action soll die Stadtbilder positiv verändern und für mehr als ein Projekt stehen: Für einen Aufbruch.

e) Sonderfördergebiet Hagen

In den kommenden zehn Jahren sollen rund 80 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und NRW-Bank Mitteln zur Umsetzung des Hagen-Paktes zur Verfügung gestellt werden. Das Ministerium wird in Abstimmung mit dem Bund für die Stadt Hagen ein Sonderfördergebiet einrichten, um gesonderte Förderkonditionen zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben zu ermöglichen.

Referat Presse und Soziale Medien

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen
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Tel.: 0211 8618-4264
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