Wiederaufbau

2021 bis 2026: Fünf Jahre nach der Starkregen- und Hochwasserkatastrophe – viel geschafft, vieles bleibt noch zu tun

06.07.2026

Ministerin Scharrenbach: Fünf Jahre gemeinsam für den Wiederaufbau, Fünf Jahre außergewöhnlicher Zusammenhalt und Solidarität und weitere 15 Millionen Euro für die besonders schwer betroffenen Kommunen in 2027

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung teilt mit:

„Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe bleiben die Bilder, die Schicksale und der Verlust von 49 Menschen allein in Nordrhein-Westfalen unvergessen. Die Starkregen- und Hochwasserkatastrophe hat tiefe Spuren hinterlassen – in den Orten, den Regionen in Nordrhein-Westfalen, aber vor allem in den Herzen vieler Menschen. Gleichzeitig hat diese Zeit gezeigt, was unser Land ausmacht: ein außergewöhnlicher Zusammenhalt, Mitgefühl und die Bereitschaft, füreinander einzustehen und wieder aufzubauen„, so Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Mit dem Landeshaushalt für das Jahr 2027 will die Landesregierung zudem noch einmal 15 Millionen Euro für Personalmehraufwendungen in den besonders betroffenen Kommunen mobilisieren. „Die Landesregierung steht an der Seite unserer Kommunen im Wiederaufbau. In den besonders betroffenen Kommunen wird der Wiederaufbau der städtischen Infrastrukturen weiterhin Zeit und damit viel Kraft vor Ort in Anspruch nehmen. Mit einer erneuten Personalkostenunterstützung in 2027 können wir den Wiederaufbau weiter verstetigen“, so Ministerin Scharrenbach weiter. 

Viele Bürgerinnen und Bürger konnten den Wiederaufbau bereits erfolgreich abschließen. „Bis jetzt wurden insgesamt rund 4,7 Milliarden Euro für den Wiederaufbau bewilligt: Bei den Privathaushalten hat der Großteil den Wiederaufbau komplett abgeschlossen, so dass für nahezu 80 Prozent der bewilligten Gebäudesanierungen bereits die abschließenden Verwendungsnachweise vorliegen. Rund 900 Millionen Euro wurden für privat genutzte Wohngebäude und den Ersatz von Hausrat bewilligt, rund 785 Millionen Euro wurden bereits ausgezahlt. Insgesamt wurden hierfür 29.071 Anträge gestellt, davon sind über 95 Prozent abschließend bearbeitet. Viele Menschen leisten dabei seit Jahren Außergewöhnliches. Dafür gebührt ihnen großer Dank und höchste Anerkennung“, sagt Ministerin Scharrenbach. 

Beim Wiederaufbau der Infrastruktur in Kommunen wurden über 3,0 Milliarden Euro bewilligt, wovon bisher rund 1,2 Milliarden Euro ausgezahlt sind. Zahlreiche der insgesamt rund 5.900 Einzelmaßnahmen – darunter der Wiederaufbau von Straßen, Brücken, Schulen, Kindertagesstätten und Feuerwehrhäusern – konnten bereits umgesetzt oder abgeschlossen werden. Die übrigen Mittel der insgesamt bewilligten fast 4,7 Milliarden Euro für Wiederaufbaumaßnahmen in Nordrhein-Westfalen verteilen sich auf Unternehmen, die Land- und Forstwirtschaft, die Infrastruktur der Länder, Forschungseinrichtungen sowie Archive. 

2027: Weitere finanzielle Unterstützung für kommunale Personalmehrkosten beim Wiederaufbau 

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen beabsichtigt im Jahr 2027 weitere 15 Millionen Euro für Personalkostenmehrbedarfe in den besonders betroffenen Kommunen bereitzustellen. Bereits 2024 hatte die Landesregierung für diese kommunale Unterstützung 10 Millionen Euro mobilisiert. 

Unterstützung für Betroffene wird fortgeführt: Aufsuchende Hilfe bis Ende 2026 verlängert 

Auch nach Ablauf der Antragsfristen für private Haushalte ist klar: Viele Menschen brauchen weiterhin Unterstützung – zum Beispiel, wenn bereits bewilligte Mittel abgerufen, Verwendungsnachweise erstellt oder ergänzende Spenden beantragt werden müssen. Deshalb wird die sogenannte aufsuchende Hilfe in besonders betroffenen Gebieten fortgesetzt: im Rhein-Sieg-Kreis, in der StädteRegion Aachen und im Kreis Euskirchen bis zum 31. Dezember 2026. Aufsuchende Hilfe bedeutet: Die Beratung wartet nicht nur darauf, dass Betroffene sich melden, sondern geht aktiv auf die Menschen zu – bei Bedarf auch direkt zu Hause. Ergänzend steht Betroffenen weiterhin das landesweite Servicetelefon unter der Rufnummer 0211/4684-4994 montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr für Fragen rund um den Wiederaufbau zur Verfügung.

 „Viele Bürgerinnen und Bürger konnten den Wiederaufbau bereits erfolgreich abschließen. Emotional haben viele unverändert mit den Folgen für sich und ihre Familien umzugehen. Mit der Anpassung der Unterstützungsstrukturen setzt das Land auf Kontinuität bei den Unterstützungsleistungen. Während Hilfsangebote in den Kommunen dort zurückgeführt werden, wo sie nicht mehr erforderlich sind, bleiben sie in besonders betroffenen Gebieten weiterhin bestehen. Der Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe von 2021 zeigt damit deutlich: Hilfe wirkt – und sie bleibt verlässlich dort, wo sie gebraucht wird“, so Ministerin Scharrenbach. 

Aus Schäden von damals wird Vorsorge für morgen: Hochwasserschutz und Prävention weiter stärken 

Nordrhein-Westfalen nutzt den Wiederaufbau dort wo es möglich ist, um Kommunen widerstandsfähiger gegen künftige Starkregen- und Hochwasserereignisse zu machen. Deshalb fördert das Ministerium im Rahmen des Wiederaufbaus auch präventive Hochwasserschutzmaßnahmen für 2021 betroffene Siedlungsbereiche, um wiederaufgebaute Gebäude und Infrastrukturen dauerhaft zu schützen. Beispiele dafür sind:

  • Förderung für präventive Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt Bad Münstereifel in Höhe von rund 18,7 Millionen Euro aus dem gesamten Wiederaufbauplan in Höhe von rund 203,9 Millionen Euro: Versickerungsfähiges Pflaster im gesamten Innenstadtbereich durch eine wasserdurchlässige Drainageschicht aus Vulkangestein.
  • Förderung für präventive Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt Schleiden in Höhe von rund 19,6 Millionen Euro aus dem gesamten Wiederaufbauplan in Höhe von rund 208 Millionen Euro: Bau eines Querbauwerks oberhalb der Jugendherberge. Die Ausweitung des Flusses im Oberlauf sowie neun weitere Maßnahmen folgen noch. 
  • Förderung für präventive Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt Mechernich in Höhe von rund 2,9 Millionen Euro aus dem gesamten Wiederaufbauplan in Höhe von rund 29,6 Millionen Euro: Maßnahmen zum optimierten Ablauf von Starkregen sowie Verhinderungen von Rückstau in Satzvey, Weyer und Antweiler.   

Ministerin Ina Scharrenbach: „Wiederaufbau heißt in Nordrhein-Westfalen nicht: zurück auf Anfang. Wir bauen wieder auf – und wir bauen besser vor. Jeder Euro, der bei dem Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur in den hochwassersichereren Wiederaufbau geht, hilft, künftige Schäden zu vermeiden oder zu verringern.“

Schutz vor Starkregen auf einen Klick: Erweiterte Version der „H2OCH Wasser App/für’s Haus“ gestartet 

Seit April 2025 steht den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen eine erweiterte Version der Starkregen- und Hochwasserschutz-App „H2OCH Wasser App/für’s Haus“ zur Verfügung. Diese kann auch über die Website www.hochwasser-app.nrw aufgerufen werden. Die App ermöglicht nach Eingabe einer Adresse eine individuelle Risikoeinschätzung für Starkregen, Hochwasser und Überflutungen und hilft Eigentümerinnen und Eigentümern dabei zu prüfen, auf welchen Wegen Wasser in ein Gebäude eindringen könnte. Auf dieser Grundlage erstellt die App individuelle Risikobewertungen und gibt konkrete Hinweise zur Eigenvorsorge.

Konsequentes Vorgehen gegen Betrugsfälle 

Eine schnelle und unbürokratische Hilfe war und ist das wichtigste Ziel beim Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig zeigt sich: Trotz des vereinfachten Verfahrens gibt es nur wenige Verdachtsfälle auf Betrug. Diese Fälle werden konsequent geprüft, weiterverfolgt und – wenn nötig – zur Anzeige gebracht. Im Rahmen der Bearbeitung wurden im privaten Wiederaufbau inzwischen 623 Betrugsverdachtsfälle mit einem Fördermittelvolumen von rund 19,5 Millionen Euro identifiziert. Insgesamt wurden nach Erhärten eines Betrugsverdachts ein Großteil der Fälle an die jeweils zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. Das weitere Verfahren obliegt den zuständigen Stellen bei den Strafverfolgungsbehörden. 

Hintergrund

  • Nach den umfangreichen Soforthilfen in Höhe von 300 Millionen Euro, die noch im Juli 2021 ausgezahlt wurden, haben die Länder und der Bund innerhalb von acht Wochen nach dem Schadensereignis für den Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen Finanzmittel in Höhe von bis zu 12,3 Milliarden Euro bereitgestellt. Die insgesamt rund 12,3 Milliarden Euro, die für den Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stehen, werden am Ende nicht in voller Höhe benötigt werden. Dies liegt unter anderem daran, dass deutlich mehr der betroffenen Gebäude gegen Elementarrisiken als ursprünglich angenommen versichert waren.
  • Von der Starkregen- und Hochwasserkatastrophe am 14./15. Juli 2021 waren rund 180 Kommunen betroffen, also nahezu die Hälfte aller Kommunen in Nordrhein-Westfalen.
Referat Presse und Soziale Medien

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen
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Tel.: 0211 8618-4264
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